Gekommen, um zuzukaufen (Venture Capital Magazin 10/2019)

15-10-2019

Walt Disney hat im Jahr 1928 Micky Mouse erfunden. Heute ist The Walt Disney Company eines der größten Unternehmen weltweit. Der Gründer vergaß bis zu seinem Tod 1966 nicht, wem er den Erfolg zu verdanken hatte: „Erinnert euch stets daran, dass das Ganze hier mit einer Maus angefangen hat.“ Aus etwas Kleinem etwas Großes machen – das ist Vision und Ziel wohl jedes Unternehmers. Nur: Eine Maus reicht nur für einzelne Glückliche wie Disney, um Marktführer zu werden. In der Regel braucht es außerdem Kapital, umfassendes Wissen und sinnvolle Zukäufe, damit der große Player entsteht. Gerade anorganisches Wachstum lässt sich nur schwer ohne einen finanzstarken Partner realisieren. Beteiligungsgesellschaften wie Waterland Private Equity steuern Beteiligungskapital und Know-how bei. Sie konzentrieren sich auf Buy and Build-Strategien und helfen, aus dem Kleinen das ganz Große zu machen.

Spaß? Das war nun nicht unbedingt zu erwarten. Und doch ist Freude am Tun das erste Argument, das Dr. Carsten Rahlfs nennt, wenn man sich erkundigt, warum die Waterland Private Equity Investments B.V. ihren Investitionsansatz klar auf Buy and Build konzentriert: „Wir haben dadurch ein tolles Momentum im Unternehmen, weil es viele Transaktionen mit sich bringt und unsere Leute dadurch schnell eine große Deal-Erfahrung haben“, sagt der Managing Partner. „Es macht Spaß, und die Teams sind stolz auf die Themen und Ergebnisse, die sie erarbeiten.“ Waterland beteiligt sich meist mehrheitlich an etablierten mittelständischen Unternehmen, an Firmen in fragmentierten Märkten, in denen es Konsolidierungspotenzial gibt. Die Gesellschaft konzentriert sich klar auf Targets, die im Rahmen einer zielgerichteten Zukaufstrategie weiterentwickelt werden können. Eben auch, weil es Spaß bringt – Rahlfs: „Es ist großartig, wenn man zurückschaut und sieht: In den letzten sieben Jahren haben wir ein Unternehmen zum Marktführer gemacht.“ Natürlich ist Freude an der Sache stets begrüßenswert, geht es um die tägliche Arbeit – aber Herr Rahlfs, mal abgesehen vom Spaß, was spricht noch für den Buy and Build-Ansatz? „Natürlich kann man mit dieser Strategie auch gute Renditen erwirtschaften.“ Als Einstieg in einen Markt kauft Waterland ein Plattformunternehmen mit Jahresumsatz zwischen 15 Mio. EUR und 500 Mio. EUR – zu einem angemessenen Multiple. Im Anschluss investiert die Beteiligungsgesellschaft in mehrere kleinere Firmen aus dem Markt des Ursprungs-Assets. „Diese Spieler kann man mitunter zu einem niedrigeren Multiple erwerben“, erläutert der Manager. Sind Add-ons gemacht, können Synergien zwischen den Unternehmen gehoben werden. Im Idealfall entsteht ein Marktführer, der schließlich mit einem höheren Multiple an einen interessierten Strategen oder einen anderen Investor verkauft wird.

Rund 500 Beteiligungen, allein 80 Plattform-Investments
Klingt logisch – und funktioniert offenbar. Waterland wurde 1999 in den Niederlanden gegründet. Seit 2005 ist die Beteiligungsgesellschaft auch in der DACH-Region aktiv. Büros gibt es inzwischen neben den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz auch in Großbritannien und Polen. 2017 hat das Unternehmen den siebten Fonds eingeworben – mit einem Volumen von rund 2 Mrd. EUR. In rund 500 Firmen wurde bis heute investiert – 80 Plattformakquisitionen und die entsprechenden Zukäufe. Die Niederländer erzielen laut eigenen Angaben durchgängig eine überdurchschnittliche Performance. Es scheint gerechtfertigt, von jahrelanger erfolgreicher Geschäftstätigkeit zu sprechen. Wer also noch etwas lernen möchte über Buy and Build, der ist bei Rahlfs sicher nicht ganz verkehrt. Der Managing Partner stellt klar, worauf es bei der Suche nach dem nächsten Marktführer ankommt. Waterland sieht sich zuerst einen potenziell interessanten Markt an: „Wir prüfen, ob eine Branche ausreichend fragmentiert ist und ob über Zukäufe überhaupt Synergien gehoben werden können.“ Zudem habe man stets bereits die Frage im Kopf, ob ein strategisch sinnvoller Exit gelingen kann. Stehen alle Ampeln auf Grün, beginnt das Team, mit den interessanten Unternehmen zu sprechen – mit fünf bis zehn Firmen beginnt die Beteiligungsgesellschaft bilaterale Gespräche. Schließlich hängt der Erfolg einer Buy and Build-Strategie entscheidend von der jeweils zuerst erworbenen Plattform ab. Der Mittelständler muss bereit sein, Wachstum auch mit Kapital und Expertise eines neuen Mehrheitsgesellschafters zu realisieren, außerdem muss Waterland überzeugt sein: Dieses Unternehmen können wir von beispielhaften 50 Mio. EUR auf 250 Mio. EUR Jahresumsatz bringen. Bis der richtige Partner gefunden ist, vergeht oft etwas Zeit – Monate, in denen die Beteiligungsgesellschaft aber bereits etwaige Add-on-Firmen identifiziert und kennenlernt. Rahlfs: „Es ist nicht untypisch, dass wir die Plattformtransaktion machen und kurz darauf schon erste Zukäufe – wir haben dann schon erprobt, ob der Deal Sinn für alle macht.“

Die Median-Story
Und wenn die Ersten an Bord sind – sind Spaß und Freude am Tun dann schon erschöpft? Rahlfs winkt ab. Dann gehe es erst richtig los. Was er damit meint, erklärt der Managing Partner anhand des Beispiels Median. 2011 ist Waterland bei RHM Kliniken eingestiegen – 20 Häuser, 2.000 Betten. Das deutsche Team des Private Equity-Hauses hat sich damals für den Rehaklinikmarkt entschieden, weil dieser stark fragmentiert war. „Aus unserer Sicht konnte und kann die Branche in vielen Bereichen Professionalisierung und Weiterentwicklung brauchen“, sagt Rahlfs, „zum Beispiel bei der Digitalisierung oder der Steigerung der Behandlungsqualität.“ Bei RHM wollte die Beteiligungsgesellschaft in neue Technologien investieren und über Zukäufe Synergien heben – in der Verwaltung oder über vergünstigte Einkaufspreise für Medikamente bei Abnahme größerer Mengen. Auf 6.000 Betten sollte die Klinikgruppe wachsen. Einzelne Häuser und kleine Verbände von zwei oder drei Rehaeinrichtungen wurden zugekauft. Der Verbund stand bei 4.000 Betten, als Median Kliniken auf den Markt kam. 2014 übernahm Waterland alle Anteile an der Unternehmensgruppe von Advent International und Marcol. Median Kliniken war mit 9.000 Betten deutlich größer als RHM – David schluckte in diesem Fall Goliath. Heraus kam ein neuer Marktführer mit 13.000 Betten. Es folgte eine Namensänderung, ab sofort hieß der Verbund nur noch Median. Schließlich erwarben die Niederländer mit der AHG einen Betreiber von Kliniken für die Behandlung psychosomatischer Krankheiten und Sucht. Insgesamt wuchs Median von 20 auf 120 Einrichtungen. Statt Magnetsteckplättchen, mit deren Hilfe Therapeut und Patient an der analogen Tafel zusammenfinden sollen, gibt es heute digitale, automatisierte Therapieplanungstools. Über eine Patienten-App können Behandelte Feedback geben – zum gesundheitlichen Fortschritt, aber auch zum Speiseplan. Fertig sind Rahlfs und sein Team bei Median aber noch nicht. Nächster Schritt soll die Expansion ins Ausland sein. „Wir sehen einfach, dass die deutsche Rehakliniklandschaft von hoher Effizienz und Qualität geprägt ist, das wollen wir auch im Ausland etablieren.“ Und dann? Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören – also überlegt Rahlfs schon einmal, wer ein möglicher Käufer seines neuen Großen sein könnte, „vielleicht ein internationaler Klinikbetreiber. Da gibt es einige Optionen, wo es passen könnte“.

Ausblick
Spaß? Zu Beginn des Gesprächs hat man das sicher nicht erwartet als erstes Argument. Wenn man allerdings zuhört, wie Rahlfs vom Waterland-Portfolio erzählt, glaubt man an das Argument von der Freude am Tun. Aus Platzgründen muss man sich hier auf die Geschichte von Median beschränken, aber man hätte auch von Within Reach, einer Beteiligung aus dem Software-Bereich, erzählen können, oder von Rehacon, einem Physiotherapieanbieter, bei dem die Gesellschaft in den ersten Monaten nach Erwerb bereits fünf Zukäufe getätigt hat. Bei Waterland ist man überzeugt von dem, was man tut – und man ist sicher: Auch künftig bieten der Gesundheitsbereich sowie der IT-Sektor, insbesondere Software-Unternehmen, attraktive Optionen für Buy and Build. Nun denn: Nicht jeder Unternehmer mag das Glück des Walt Disney haben, mit einer Maus, einer einzigen Idee, den Grundstein für ein Imperium zu legen – aber im Zweifel kann er es ja einmal mit Zukäufen versuchen. Man kennt da jemanden, der Spaß daran hat, aus Klein Groß zu machen...